Katzenschnupfen - Infektiöse Rhinitis

Wenn Mimi eines Morgens verschnupft aus ihrem Sessel steigt, vielleicht sogar etwas matt ist, liegt der Verdacht nahe, dass sie sich mit Katzenschnupfen infiziert hat. Was steckt hinter diesem allgemeinen Begriff?

 

Katzenschnupfen wird in der Wissenschaft als Feline Rhinotracheitis, infektiöse Katzenrhinitis und Feline upper respiratory disease (FURD) bezeichnet. Die Erkrankung der Katze betrifft die Schleimhäute im Kopfbereich und die oberen Luftwege. Niesen und Nasenausfluss sind die häufigsten Symptome. Daneben kann klarer oder eitriger Augenausfluss beobachtet werden. Je nach Verlauf zeigen die Katzen hohes Fieber. Weitere Symptome: Zungengeschwüre und Entzündungen des Zahnfleisches, Mandelentzündung, Hornhautgeschwüre etc.

Verstopfte Nase dämpft den Appetit

Durch das schnupfenbedingte Zuschwellen der Nase ist der Geruchssinn der Katze stark beeinträchtigt. Die Katze ist nicht mehr in der Lage, ihr Futter zu riechen, und frisst schlechter oder gar nicht mehr. Dies gilt ebenfalls bei Entzündungen im Mundbereich, die sehr schmerzhaft sein können. Bei sehr jungen oder mit FeLV oder FIV infizierten Katzen kann der Schnupfen in eine Lungenentzündung übergehen, die tödlich enden kann.

Welche Erreger verursachen Katzenschnupfen?

Katzenschnupfen kann sowohl durch Viren als auch durch Bakterien verursacht werden, es können jedoch mehrere Erreger beteiligt sein. Ein Virus kann die Schleimhaut so schädigen, dass Bakterien einen guten Nährboden finden. Bei eitrigen Entzündungen ist immer ein Bakterium beteiligt.

Virale Erreger des Schnupfens

Ein Virus besteht lediglich aus einer Kapsel, die DNS enthält. Die DNS als Träger der Erbsubstanz ist die Basis unseres Lebens. Das Virus benötigt zu seiner Vermehrung eine lebende Zelle. Es dringt in die Zelle ein und infiziert sie mit seiner Virus-eigenen DNS. Die Virus- DNS setzt sich in den Zellkern, die Kommandozentrale der Zelle, und programmiert diese um. Nun beginnt die Zelle der infizierten Katze neue Virus-DNS zu produzieren, und somit findet eine Virusvermehrung statt. Ein viraler Erreger des Katzenschnupfens ist das Feline Herpesvirus-1. Herpesviren ( z.B. beim Menschen die Erreger des „Stressbläschens“ am Mund oder der Gürtelrose) kommen außerdem bei Kühen, Pferden, Hunden und vielen Tierarten vor. Aber: Herpesviren sind artspezifisch! Das heißt, wenn ein infizierter Mensch engen Kontakt mit seiner Katze hat, kann er sie nicht mit menschlichem Herpesvirus anstecken, und umgekehrt ist ein Anstecken ebenfalls nicht möglich. Herpesviren sind weit verbreitet. Das Gemeine an ihnen ist, dass das Virus selbst nach Ende der Krankheitserscheinungen unbemerkt im Körper bleibt. Ist die Katze beispielsweise in einer Stresssituation (Besitzerin ist in Urlaub gefahren, Ortswechsel etc.), bricht die Erkrankung wieder aus.

Herpes greift auch die Hornhaut an

Neben den Schnupfensymptomen, Fieber und Futterverweigerung kommt als Komplikation des Herpesvirus das Hornhautgeschwür hinzu, das bei Nichtbehandlung zum Verlust des Auges führen kann. Der andere bedeutende virale Erreger des Schnupfens ist das Feline Calici Virus. Eine Katzenschnupfenerkrankung, bei der Geschwüre im Mund auftreten, deutet eher auf eine Calici- als auf eine Herpesvirusinfektion hin. Das Virus wird wie Herpes per Tränenflüssigkeit, Speichel und Nasensekret ausgeschieden, in einzelnen Fällen per Kot und Harn. Die Übertragung kann daher über den Futternapf, den Korb, die Katzentoilette und den Menschen erfolgen.

Behandlung der Virusinfektionen

Virusinfektionen lassen sich nicht wie bakterielle Infektionen mit Antibiotika behandeln. Das Virus wird erst nach Eindringen in die Zelle aktiv und damit unerreichbar. Antibiotika werden trotzdem häufig verordnet, da die Viren die Schleimhäute schädigen und die Bahn bereiten für verkomplizierende Infektionen mit Bakterien. Eine rein anti-virale Behandlung ist in der Tiermedizin sehr schwierig, und es gibt kein zugelassenes Medikament. Da nicht genau bekannt ist, wie lange es dauert, alle Viren auf diese Art zu eliminieren, muss die Behandlung über Wochen erfolgen. Die Wirksamkeit bei Katzen scheint viel schlechter zu sein als beim Menschen, und Nebenwirkungen sind häufig. Die wirksamste Vorbeugung ist die Impfung der Katze schon im Welpenalter! Regelmäßige Impfungen gegen Herpes und Calici sind auch nach allgemeiner Expertenauffassung ein Muss! Wird eine erwachsene Katze geimpft, die Herpes unerkannt in sich trägt, ist es zwar möglich, dass sie noch erkrankt und auch den Virus ausscheidet, aber das ist wesentlich seltener, und eine evtl. Erkrankung verläuft wesentlich milder.

Bakterielle Erreger

Bei Katzen mit eitrigem Katzenschnupfen sind Bakterien beteiligt. Meist geht einer bakteriellen Infektion eine Virusinfektion voraus. Chlamydophila felis wurde früher als Erreger der Lungenentzündung bei der Katze gesehen, heute hingegen meist bei eitrigen Bindehautentzündungen der Katze isoliert. Es wird über Sekrete übertragen. Schwere Formen dieser Augenentzündung können über mehrere Wochen andauern. Gegen diese Infektion gibt es einen Impfschutz. Bordetella bronchiseptica: Bordetellen sind die Erreger des Keuchhustens beim Menschen (hier aber: Bordetella pertussis) und des Zwingerhustens beim Hund. In den letzten Jahren wurden diese Erreger vermehrt bei Katzenbeständen mit unklarer Schnupfenproblematik nachgewiesen. Neben Schnupfen kann es zu anderen Atemwegssymptomen wie z.B. Husten kommen.

Neue Erreger bei Katzenschnupfen

Bei jungen Katzen wurden Todesfälle beschrieben. Die Firma Intervet hat eine europaweite Untersuchung zur Bordetella-Infektion der Katze unterstützt. Ein Impfstoff wird in Kürze auch in Deutschland erhältlich sein. Aufgrund des speziellen Anheftens der Erreger in der Nasenschleimhaut wird der Impfstoff in die Nase gegeben, was zu einem schnellen Schutz unmittelbar an der Eintrittspforte der Erreger führt. Mykoplasmen sind Bakterien, die auch bei gesunden Katzen auftreten und deren Bedeutung bei Katzenschnupfen noch nicht ganz klar ist. Einen Impfstoff gibt es nicht. Die oben genannten bakteriellen Infektionen lassen sich mit Antibiotika behandeln. Eine oft langwierige Behandlung lässt sich durch konsequente Impfung vermeiden. Lebendimpfstoffe bieten dabei einen schneller eintretenden Schutz als inaktivierte. Zudem ist die Gefahr von Fibrosarkomen geringer. Bei der ersten Impfung sollte immer eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen erfolgen. Aufgrund der Übertragung durch Gegenstände und den Menschen sollten auch Katzen, die im Haus leben, geimpft werden.

Impfen ist dringend anzuraten

Falls die Katze in eine Katzenpension geht und die letzte Impfung länger als ein halbes Jahr zurückliegt, sollte diese aufgefrischt werden. Ansonsten erfolgen die Impfungen gegen Katzenschnupfen – meist in Kombination mit der Parvoviroseimpfung – jährlich. Katzenschnupfen bleibt ein Problem. Die Entdeckung neuer Erreger, die daran beteiligt sind, sowie die Entwicklung von Impfstoffen gegen diese kann dann zu einer erfolgreichen Bekämpfung beitragen. Tipps zur Pflege der Katzenohren finden Sie hier .

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